Schrammele Bericht

Kühe hüten beim Schrammele -ich habe nur geweint –
ich hatte beste Behandlung – aber Heimweh:

Die Tränen benetzten die Weide. Dettenroden ist ein Nachbarort von Lippach. Dort gab es einen sehr großen Bauernhof. Das Besitzerehepaar hatte keine Kinder und bekamen auch keine Kinder. Die beste Lösung war, meine Mutter zu fragen, ob ich nicht die Erbschaft antreten wolle.    Meine Mutter hatte ja 13 Kinder. Also wäre ein Austausch die beste Lösung. Meine Mutter hätte einen Esser weniger am Tisch und der Schrammele hat eine Zukunft für seinen großen Bauernhof.

Ich wurde also mit neun Jahren 1946 und dann Krieg mit dem Pferdegespann abgeholt. Das neue Zuhause erfüllte höchste Ansprüche.  Vollgefüllte Federbetten – ich lag weich in Daunen. Das Essen kochte die Magd. An die gekochte frische Milch habe ich heute noch Erinnerungen. Das besondere war, dass - das Bettnässen schlagartig aufhörte. Mein Bruder hat mich immer Pipi – sonst Bettnässer – genannt. Meine eigentliche Aufgabe war – das Hüten der Kühe auf den weiten Weideflächen. Ich war die ganze Zeit Alleine. Mein Heimweh steigerte sich von Tag zu Tag. Bald fing ich an, nichts mehr zu essen Das war das Signal, dass etwas geschehen musste. Die einfachste Lösung war, meine Schwester auch nach Dettenroden zu holen. Die Tränen hörten sofort auf zu Fließen. Es ging die ganze Zeit gut. Dann heckte ich einen Plan aus, wie wir beide nach Hause flüchten konnten. Ich konnte in etwa die Himmelsrichtung einordnen. Es ging zuerst durch den 0bstgarten – dann kam der dichte Wald. Es gab ja keine Fahrwege, die nach Lippach führten. Also war es ein Probieren, ob wir die richtige Richtung gingen. Nach langer, langer Zeit kamen Rosa und ich aus dem Wald. Der erste Eindruck war eine unbekannte Gegend. Die einzige Change war die nächste Anhöhe zu suchen, um einen Überblick zu erhalten. Mit neun Jahren hat man ja auch keine Orientierung gespeichert. Die Anhöhe in Finkenweilerberg war sichtbar, davor konnte nur das Dorf Lippach liegen. Die gesamte Wegstrecke betrug in etwa vier Kilometer. Der einzige Vorteil- es ging durch keinen Wald mehr. Rosa und ich kamen dem Dorf immer näher. Irgendwann hatten wir es GESCHAFFT.

Aus heutiger Sicht begann dann das Grauenvolle. Unser Wohnhaus war noch nicht aufgebaut – also musste ich im Stall bei den Kühen im Winter schlafen. Im Sommer auf dem Heuboden. Eine Katze leistete mir Gesellschaft.

Die Winternächte im Kuhstall waren so schrecklich. Die Kühe waren ja mit Ketten an den Platz gebunden. Bei jeder Bewegung des Kopfes klirrten die Ketten. Das hat mir Ängste verursacht. Eine Kuh bewegt sich ja sonst auch noch genügend. So wurde ich immer wieder aus dem Schlaf gerissen. Heute frage ich mich, wie habe ich das durchgestanden

Die Erinnerungen an die klirrenden Ketten sind geblieben.